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Dr. Günter Böttcher

Das Kollegium des Instituts für Sport und Sportwissenschaft trauert um Günter Böttcher, der im Alter von 58 Jahren – für uns völlig unerklärlich – freiwillig aus dem Leben schied. Wir sind sprachlos, versuchen zu verstehen, was geschehen ist – es fällt schwer, es geht nicht. Wir stehen unter Schock.

Günter Böttcher war ein Kollege der besonderen Art, immer am Ball im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es um die Ausbildung der Studentinnen und Studenten ging. In seiner mitreißenden, aber auch fordernden Art hat er viele junge Menschen im Sportstudium von der Aufgabe beseelt, später ein leidenschaftlicher Sportlehrer zu sein. Dies hat ihn zu einem besonderen Menschen gemacht. Seine ihm eigene Pädagogik war bewundernswert und hat bei vielen Studierenden Spuren hinterlassen.

Sein Studium an der Universität Marburg beendete er 1980, qualifizierte sich dann über seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seine Promotion 1994 für die Ausbildung von Sportstudenten. Damit war er dort angekommen, wo er sich wohl fühlte – bei jungen Menschen, denen er engagiert und kompetent vermitteln konnte, was dazugehört eine Sportlehrerin bzw. ein Sportlehrer geprägt vom Theorie-Praxis-Verständnis der Universität Kassel zu sein. Das hat er gelebt – viele Stunden seiner Arbeit und noch viele Stunden darüber hinaus waren diesen Zielen gewidmet. Es lag deshalb nahe, dass er am Institut die Leitung des Arbeitsbereichs „Theorie & Praxis der Sportarten“ als Aufgabe übernommen hat, um auch – und vor allem die jungen Kolleginnen und Kollegen – durch seine Überzeugung mitzureißen. Seine besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Handballsport und der Leichtathletik.

Doch damit nicht genug. Auch Lehrerfortbildungen und Trainerausbildungen in diesem eng verknüpften Theorie-Praxis-Bezug waren seine Sache. Dies war ihm stets wichtig, hier setzte er Zeichen und trat in den Vordergrund des Geschehens ohne großes Aufheben davon zu machen.

Ein besonderes Anliegen waren ihm auch die Grundschulausbildung und herausgehobene Aktionen wie die inhaltliche Gestaltung und Organisation des Grundschultages. Mit Kindern direkt zu arbeiten, mit Lehrern, die in dieser spezifischen Pädagogik tätig waren – das war für ihn sehr wichtig, hier hat er wichtige Aufgabenstellungen für sich gesehen. Er wollte alle dafür begeistern, Kindern Bewegung, Spiel und Sport nahe zu bringen.

Seine vielfältigen Erfahrungen als aktiver und erfolgreicher Handballer bis hin zur Nationalmannschaft, als Trainer vieler Vereine höherer und höchster Handball-Spielklassen haben ihn im Umgang mit Menschen und ihrem Engagement für eine Sache geprägt. Das brachte er auch in das Sportstudium ein und hat damit bei Generationen von Sportstudierenden auf seine Weise – nämlich die mitreißende, aber auch zurückhaltende Art des Günter Böttchers – nachdrückliche Spuren hinterlassen.

Günter, wir werden Dich sehr vermissen. Viel zu früh, hast Du Dich entschieden, das Leben zu verlassen. Du hättest noch sehr viel bei uns am Institut mit „bewegen“ können.

Unsere Anteilnahme gilt Deinen Familienangehörigen und Deinen Freunden, die Dich sehr vermissen werden.

Das Kollegium des Instituts für Sport und Sportwissenschaft

 

 

Lebenslauf

Geb. 1954 in Kassel

1972 Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Melsungen

1974-1980 Studium für das Lehramt an Gymnasien an der Philips-Universität in Marburg

1980 1. Staatsexamen mit den Fächern Sport und Geographie

1981-1982 Studienreferendariat am Seminar Kassel I mit 2. Staatsexamen

1983-1985 Lehraufträge in der Fachrichtung Sportwissenschaft an der Gesamthochschule Kassel in Handball und Leichtathletik

1985-1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Promotionsabschluss mit dem Thema:„ Die Bedeutung der konditionellen Fähigkeiten im Hallenhandball. Eine theoretische Standortbestimmung und empirische Untersuchung.“

Seit 1994 Akademischer Rat bzw. Oberrat an der Universität Kassel

 

Sportliche Vita

  • 36-facher A-Nationalspieler im Hallenhandball
  • Olympiateilnehmer 1976 in Montreal
  • A-Trainer-Hallenhandball
  • Trainer in der 2. Bundesliga Hallenhandball
  • Lehrreferent im Deutschen Handball Bund und Hessischen Handballverband
  • Sportlicher Leiter der Handball Akademie Kassel

 

Arbeitsbereiche

  • Bereichsleiter:Theorie und Praxis der Sportarten
  • Fachleiter:Zielschussspiele, Handball, Leichtathletik
  • Seminarleitung: Medienkompetenzen, Didaktik der Sportspiele, SportspielspezifischeTrainingslehre

 

Arbeits-/Forschungsschwerpunkte

  • Weltstandsanalysen im Hallenhandball

  • Trainingssteuerung im Hallenhandball
  • Lehrinnovationsprojekt: Ausbildungskonzept-Erlebnisorientierte Leichtathletik