
Die Prämierung der besten Abschlussarbeiten (Master und Diplom) wurde in diesem Semester erneut in drei Kategorien vorgenommen. Entwurflich-konzeptionelle, planerisch-konzeptionelle sowie theoretisch-analytische Arbeiten aus dem Wintersemester 2009/10 standen zur Wahl.
Für die beiden ersten Kategorien fand am Freitag, 18.06.2010, eine Jurysitzung mit externen Fachjuroren statt. Unter der Moderation von Herrn Manuel Cuadra, wurden die insgesamt 7 nominierten Arbeiten von Frau Katharina Feldhusen, Herrn Uwe Hoegen, Herrn Alexander Reichel, Herrn Wolfgang Schück sowie Herrn Cyrus Zahiri begutachtet.
Die theoretisch-analytischen Arbeiten wurden im Vorfeld von einer internen Jury ausgewählt.
Am Dienstag, 22.06.2010, wurden die prämierten Arbeiten öffentlich vorgestellt und die Preisträger ausgezeichnet. Die Preisgelder in Höhe von insgesamt 1.400 Euro wurden von der Pfeiffer-Stiftung bereitgestellt.
Kategorie "Entwurflich-konzeptionelle Arbeiten"
Kategorie "Planerisch-konzeptionelle Arbeiten"
Kategorie "Theoretisch-analytische Arbeiten"
Bei dieser Arbeit überzeugt die Umsetzung der funktionalen Idee in einen räumlichen Ausdruck.
Erschließung, Funktion und Form bilden eine spür- und erlebbare architektonische Einheit. Die Ausstellungsflächen werden auf einer ansteigenden Rampe fortlaufend organisiert, deren geknickte Wendelung gleichzeitig die städtebauliche Grundfigur bildet und mit dem Übergang zum Bodemuseum ein spannungsvolles Ende findet. Die einfache und zeichenhafte, dadurch aber prägnante graphische Darstellung der unterschiedlichen räumlichen Situationen zeigt den Charme dieser skulpturalen Figur.
Eine noch stärkere und bewusstere Durcharbeitung der Form mit Hilfe der Konstruktion würde die Attraktivität der Lösung noch steigern. Auch eine differenziertere Anordnung der Ausstellungsflächen, die die Länge des Weges portioniert und unterschiedlichen Museumskonzepten mehr Raum lassen könnte, würde hilfreich sein.
Insgesamt ist die Arbeit typologisch und städtebaulich überzeugend und angemessen gelöst. Sie schafft einfühlsam mit ihren unterschiedlichen Räumen einen spannenden, anregenden und auch nachvollziehbaren architektonischen Ausdruck und ragt damit gegenüber anderen Arbeiten hinaus.
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Der Beitrag für die "Magok Waterfront Seoul" gab der Jury Anlass für eine sehr grundsätzliche Diskussion. Ausgesprochen positiv hervorgehoben wurde der weiträumige Ansatz des ersten Teils der Arbeit: die Erhöhung der Randlinien zwischen Wasser und Land, die Schaffung einer artifiziellen Insellandschaft sowie der Versuch einer Formgenerierung des Masterplanes
mit digitalen Entwurfsmethoden.
Als problematisch und collagenhaft wurde dagegen die städtebaulich-architektonische Ausarbeitung des Messe-und Kongresszentrums auf der zentralen Insel empfunden. So wurde die Anerkennung Aufgrund des ersten Teiles- dem digital experimentellen städtebaulicher Ansatz- verliehen
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Die Arbeit von Willemijn Buffing beschäftigt sich mit dem Thema der künstlichen Landschaften. Das Angebot an diesen zeitgenössischen Freizeitorten hat sich in den letzten Jahren stark ausdifferenziert. Sehr häufig stehen diese Anlagen allerdings in einem starken Kontrast zu ihrer Umgebung.
Frau Buffing schlägt eine integrative Strategie vor, mit dessen Hilfe eine
Tagebaulandschaft schrittweise in eine Freizeitlandschaft transformiert wird. Mit zurückhaltenden Interventionen inszeniert sie eine vergleichsweise raue Landschaft.
Die von der Arbeit formulierte Strategie ist nachvollziehbar, bleibt aber
stellenweise konventionell. Den vorgeschlagenen Interventionen fehlt stellenweise eine räumlich-materielle Komponente. Zusätzlich wäre eine Auseinandersetzung mit den konstruktiven Randbedingungen des Tagebaus wünschenswert gewesen.
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Ausgehend von der Frage nach der Bedeutung öffentlicher Räume in geteilten Städten bei der Konflikttransformation, dem partizipativen Umgang mit urbanen Konflikten, wird in der Arbeit der privatwirtschaftliche Wiederaufbau des Stadtzentrums Beiruts untersucht.
Der städtische Mittelpunkt der ethnisch-national geteilten Stadt war zentraler Schauplatz der Kampfhandlungen des zwischen 1975 und 1990 andauernden Bürgerkrieges im Libanon. Der Wiederaufbau des Stadtzentrums zielt zum einen auf die gesellschaftliche Zusammenführung und die Rückführung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Zum anderen gilt der Wiederaufbau als Symbol des Fortschritts und der Modernität. Allerdings dominiert die internationale Ausrichtung bzw. wirtschaftliche Dimension das Projekt. Die Polarität der dualen Konzeption beruht auf der Divergenz der physischen und sozialen Dimension des Wiederaufbaus: Internationalen Architektur- und Freizeitanforderungen wird zweifelsohne entsprochen, ein Zentrum für die Bevölkerung des Libanon ist die Innenstadt aufgrund der Hochpreisstruktur jedoch nicht. Die in den Planungen propagierte Neutralität ist in der Realität einer durch die Wiederaufbaugesellschaft Solidere verkörperten Ordnungsmacht gewichen. Wurde das Zentrum im Bürgerkrieg durch die räumliche Neutralität zur Kampfbühne, erfolgt durch den Wiederaufbau die endgültige Ausgliederung aus dem Stadtgebiet.
Das Mosaik an differenten Lebenswelten, die nicht die gesellschaftliche Gesamtheit abbilden, ist nicht Anlass zur planerischen Resignation, sondern auch als Ausgangspunkt für Differenz und Produktivität zu verstehen. Den Maßstab städtischer Öffentlichkeit muss dann nicht die Unterscheidung zwischen Zugänglichkeit und Abwesenheit darstellen, sondern die soziale und funktionale Mischung. Voraussetzung ist jedoch der demokratische bzw. freiheitliche Charakter öffentlicher Räume, konstituiert durch Aushandlungsprozesse und die freiwillige Aneignung, und nicht durch eine Herrschaftsstruktur zur Konstruktion eines Öffentlichkeitscharakters. Folglich rückt der gesellschaftliche Austausch in den Vordergrund, wonach öffentliche Räume in geteilten Städten bereits durch die freiwillige Annäherung einzelner Gruppen geprägt werden. Zusätzlich wird die prozessuale Relevanz von Konflikten als ein Motor der gesellschaftlichen Entwicklung betont. Die funktionale Beschreibung öffentlicher Räume in geteilten Städten als ‚dialogische Räume’ impliziert die Funktion der Herausbildung und Stärkung von Gemeinsamkeiten, aber auch von Uneinigkeiten. Eingebunden in den Prozess der Konflikttransformation, der Schaffung von Strukturen, die dem Vertrauensaufbau zwischen Staat und Akteuren dienen und die Rechtsgläubigkeit fördern, sind dialogische Räume nicht nur auf die räumliche Ebene beschränkt, sondern dienen neben Diskursen um Annäherung und Wiederaufbau auch als symbolische Handlungsräume.--